Darf man eine Dienstleistung ein “Produkt” nennen? Kann man sie folglich überhaupt “produktisieren”? Dieser Artikel gibt einen kurzen Einblick, wie Sie als Dienstleister Ihre Effizienz, Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit steigern können, in dem sie die grundlegenden Mechanismen der klassischen Produktisierung für Ihr Unternehmen nutzen. Und das ohne lange Erörterung theoretischer Grundsatzfragen.
Es gibt Grundsatzpositionen, die davon ausgehen, dass es verwerflich ist, im Zusammenhang mit Serviceleistungen von “Produktisierung” zu sprechen und die deshalb in penibel sezierender Kleinarbeit nach Begriffsabgrenzungen suchen. Zufrieden sind deren Vertreter dann, wenn sie ihrer spezifischen Deutung des Prozesses einen neuen Namen geben haben. Unserer Meinung nach bringt dies keinerlei zusätzlichen Nutzen. Ähnlich wie Sie den Vorgang “Ernte” verstehen, unabhängig davon ob es sich um Äpfel, Getreide oder Kartoffeln handelt, dürften Dienstleister den Transfer des Prozesses “Produktisierung” auf ihr eigenes Betätigungsfeld ohne Probleme leisten können.
Eine an Philip Kotler angelehnte Definition des Begriffs beschreibt das Produkt als ein Mittel zur Befriedigung von Bedürfnissen und geht somit über das Verständnis des Produkts als rein physisches Element hinaus. Auch Dienstleistungen dienen dazu, Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Daher kann man davon ausgehen, dass eine Dienstleistung trotz ihrer Besonderheiten - wie der Immaterialität, dem Zusammenfall von Produktion und Konsum oder der eventuell auftretenden Gemeinschaftsproduktion mit dem Kunden - als Produkt betrachtet werden kann ist. Hitzige Fachdiskussionen, ob der Begriff der Produktisierung neu erfunden werden muss, sind unserer Meinung nach nicht erforderlich.
Was genau bedeutet nun der Begriff “Produktisierung” im Zusammenhang mit Dienstleistungen?
Die Produktisierung einer Dienstleitung bedeutet im Grunde nichts anderes als die Bündelung von vergleichbaren Leistungen in klar definierten Paketen. Die Leistungen werden standardisiert und modularisiert in einer Art Baukastensystem aufgebaut. Dies ermöglicht eine
- Steigerung der Effektivität,
- der Profitabilität und
- der Wettbewerbsfähigkeit.
Klingt gut? Ist es auch. Hierzu einige Beispiele, was das in der Praxis bedeuten kann:
- Effektivität:
Ein IT- und Telekommunikations-Dienstleister liefert seinem Kunden passgenaue Services nach dessen Anforderungen. Vergleichen Sie das mit der Autoindustrie: Sie können aus einer Vielzahl von Optionen Ihr individuelles Fahrzeug zusammenstellen, wie Sie es wünschen. Und das, obwohl Plattformen standardisiert sind, für jede Option wenige und vorgegebene Auswahlmöglichkeiten existieren, und diese darüber hinaus nur in bestimmten Kombinationen gewählt werden können. Eine solche Konfiguration eines Produkts geht auch für Dienstleistungen in IT, Telekommunikation oder der Energieversorgung! Der Hebel ist Produktisierung.
- Profitabilität:
Für den Anbieter heißt das: Nicht jeden goldenen Henkel individuell neu entwickeln und produzieren. Sie versorgen Ihre Kunden mit einem einzigen Produktionsablauf, der Module und Konfigurationen kennt – schnell und kostengünstig. Ihre IT-Landschaft kann deutlich vereinfacht werden, obwohl die Kunden passgenaue Services in einer einheitlich hohen Qualität erhalten. Der Schlüssel ist auch hier die Produktisierung. - Wettbewerbsfähigkeit:
Wenn es gelingt, Ihre Services in dieser Weise zu strukturieren, haben Sie einen deutlichen Vorsprung gegenüber Ihren Konkurrenten. Sie bieten eine hohe Service-Qualität bei einer minimalen Entwicklungszeit für individuelle Lösungen, und das zu geringen Fertigungskosten. Darüber hinaus können Sie neue Funktionen sehr schnell und kostengünstig zur Marktreife entwickeln, da sie diese Entwicklung nur noch einmal und nicht wie bisher separat für jede Produktionsvariante durchführen müssen: Ihre time-to-market wird erheblich schneller. Die Bedeutung dieses aus der Produktisierung resultierenden Wettbewerbsvorteils werden Sie selbst leicht abschätzen können!
Aus der Arbeit mit unseren Kunden verfügen wir über weitreichende Erfahrungen in der Produktisierung von IT-, Telekommunikations- und Energie-Dienstleistungen. Auf dieser Basis werden wir in kommenden Beiträgen immer wieder Praxisbeispiele darstellen, die Ihnen als Ideenpool für Ihr eigenes Produktisierungsvorhaben dienen können. Bis demnächst!